Willkommen in Jemmeritz
...dem schönsten Dorf der Altmark
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Dorfstraße
39624 Jemmeritz
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Jemmeritzer Geschichte

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Zu Beginn der Zeitrechnung waren in erster Linie die Langobarden in der Altmark.
Um das Jahr 600 zogen die Langobarden nach Italien und entvölkerten die Altmark.
So kam es, dass die Altmark in der Zeit von 800 bis ungefähr 1250 neu besiedelt wurde.
Unter anderen, siedelten sich auch Wenden, ein Stamm der Slaven, an. Wahrscheinlich sind auch
in diesem Zeitraum die meisten Siedlungen in der Altmark entstanden.

Man sagt, dass alle Dörfer mit der Endung - ritz oder -itz wendische Ursprünge haben.
So deutet Franz Mertens in seinem Gardelegener Heimatbuch den Ortsnamen Jemmeritz als
Dorf am Ulmenbach. Die Silbe ritz soll im wendischen Sprachgebrauch Bach bedeuten.

Erstmals wird der Ort im "Alvenslebenschen Lehensbrief" vom 6. 2. 1392 benannt.
Im Mittelalter vom 14. - 15. Jahrhundert liegt Jemmeritz in der Mark Brandenburg
und gehört nach kirchlicher Einteilung zum Bistum Verden.

Im 17. Jahrhundert bauen die von Alvensleben in Jemmeritz ein Vorwerk
(den heutigen Gutshof) und eine Wassermühle (Bild).
Der letzte Betreiber der Mühle, Wilhelm Hosenthin gab sie,
etwa zwischen 1928-30, auf und zog nach Kakerbeck.
Nur ein paar Jahre später stürtzte sie dann ein.
Die Fundamente der Mühle sind noch zu finden.

Die Familie von Alvensleben ist nachweislich im Kirchenbuch
von Kakerbeck im Jahr 1775 für Jemmeritz als Gutsbesitzer benannt.
Im Jahre 1811, der sogenannten Franzosenzeit, wurden sie von ihrem
Besitz vertrieben. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde das Gut in
Jemmeritz von Herrn Solbrig bewirtschaftet, der Patron über Brüchau
und Jemmeritz war.

Der dann folgende Besitzer, Gastwirt Wienecke zu Berge, trat das Gut 1820 an seinen Bruder,
dem Beamten Jacob Wienecke zu Jemmeritz, ab. Der Ort bestand aus zwölf Wohnhäusern,
einer Schäferei, einer Försterei und einer Wassermühle. Es waren 74 Einwohner ansässig.

Im Jahr 1840 hat Jemmeritz 41 Einwohner.

1874 wurden Amtsbezirke gebildet. Zum Amtsbezirk Kakerbeck gehörten:
Kakerbeck, Winkelstedt, Wustrewe, Brüchau, Lockstedt und Jemmeritz.

In einem Zeitraum von 100 Jahren hatte das Gut in Jemmeritz zehn verschiedene Besitzer.
Eine Mitteilung aus dem Jahre 1880 besagt, dass Jemmeritz ein Rittergut hat und der Besitzer
Wilhelm Bonneß ist, welcher es besonders toll trieb und das Gut ruinierte. Er kaufte das Gut 1871
von den Erben des Vorbesitzers Grothe. Er besaß nur eine Kuh, zwei Pferde und 300 Schafe.
Neben der Bewirtschaftung von 170 Hektar Ackerland betreibt dieser auch noch eine Schnapsbrennerei
und eine Ziegelei. Zum Gut gehören auch noch 507 Hektar Wald.
Schlechte Wirtschaftsführung, Zechgelage und Frauenangelegenheiten waren der Inhalt des kurzen
Gastspiels dieses "Herrn" in Jemmeritz.

Um 1900 sind es 61 Einwohner im Ort.

Nach Bonneß versuchte ein gewisser Eickhoff, den verkommenen Boden wieder fruchtbar
und ertragreich zu machen.

1906 übernahm August Damke das heruntergewirtschaftete Gut.
Man muss Ihm nachsagen, dass er mit seinen feudalistischen Vorgängern nichts gemein hatte.
Er war ausserdem ein grosser Freund der Innenkolonisation und gründete eine Kolonie (Neu-Jemmeritz).
Sein Gedanke, durch eine Rentengutskolonie die Gemarkung von Jemmeritz wieder voll zu nutzen.
Nach seinem Aufruf in verschiedenen Zeitungen meldeten sich Handwerker, Arbeiter und Bauern aus
allen Gegenden der Altmark sowie aus dem Magdeburger Land, Thüringen und Ostpreussen.
Ingesamt waren es 18 Besitzer, denen Damke durch Vermittlung von finanziellen Mitteln zum
Bau von eigenen Grundstücken verhalf.

1912, das kleine Jemmeritz bekommt seine eigene Schule. Hermann Dietz galt als strenger Lehrer.
Dietz war es der die Schule eröffnete - und 47 Jahre später (1959) auch wieder zumachen musste.
Danach wurde das Gebäude als Wohnraum und Kindergarten genutzt. Kindergärtnerinnen waren
Inge Schwerin, Hilde Felber und Bärbel Stockfisch. Heute dient es nur noch als Wohnhaus und soll
sein ursprüngliches Aussehen behalten. Auf dem Dach, der alten Schule, schlägt auch heute noch
eine Turmuhr den Jemmeritzern die Stunde.

In den zwanziger Jahren baute der letzte Besitzer des Gutes Reinicke,
seines Zeichens Diplom-Ingenieur, Weltreisender und mehrfacher
Millionär aus Chicago, ein kleines Schloss zwischen der Bäke und dem
letzten Hügel der Hellberge. Gelegentlich kam er mit seinem feudalen
Kraftwagen (er hatte mehrere, darunter Marken wie Horch, Lincoln u.
Maibach), auf Stippvisite und suchte Ruhe in der "Rosen-Villa".
1945 wurde das Schloss geplündert und teilweise abgerissen. Wer heute eine Wanderung um
Jemmeritz macht, der steht plötzlich vor einem "verwunschenen" Schloss.

1928 wurde der Gutsbezirk Jemmeritz in eine Landgemeinde umgewandelt. Damals lebten
190 Personen im Ort, 19 Familien sind im Adressbuch dieses Jahres mit der Anschrift Kolonie
versehen. Im Ort gibt es einen Schneider, einen Müller, eine Schäferei, eine Wassermühle,
ein Forsthaus und zwei Gastwirte, einen auf dem Gutshof und einen in der Kolonie.

Erich Hiltrop hatte sich im Bereich des Gutshofes ein Haus gebaut.
In den dreißiger Jahren wurde in diesem Haus ein Mütterheim eingerichtet.
Das Heim wurde nach dem II. Weltkrieg geschlossen,
bis heute dient es als Wohnhaus.

Der kleine Ort hatte schon früh zwei Gasthöfe:
In Alt-Jemmeritz, wo es um 1800 nur erst 16 Wohnhäuser mit 65 Personen gab, wurde wenige
Jahre später der Gasthof "Zur grünen Eiche" gebaut.
Im Jahre 1911 versuchte der damalige Inhaber und Pächter Heinrich Doeubler durch Anzeigen und
Werbung im "Klötzer Wochenblatt" auf diesen abgelegenen Winkel mit seinen Naturschönheiten
aufmerksam zu machen und pries gleichzeitig einen verlockenden Service an:
"Viel besuchter Ausflugsort in herrlicher Lage, 10 Minuten vom
Jemmeritzer Urwald entfernt. Empfehle Schulen, Vereinen und Touristen
meine freundlichen Lokalitäten. Gute, kühle Getränke zu jeder Tageszeit.
Selbstgebackenes Landbrot, bei rechtzeitiger Bestellung Forellen
verschieden zu bereitet. Auf Wunsch werden Führer durch den Urwald
und durch das Moor unentgeltlich gestellt."
Fast 30 Jahre später heißt es dann im gleichen Klötzer Lokalblättchen:
Alle Ausflügler werden mit Bedauern die Kunde vernehmen, dass am
1.Oktober 1939 das beliebte Gastwirt-Ehepaar die Bewirtschaftung des
Waldgasthofes aufgeben wird.
Die Doeublers waren sehr warmherzige und fromme Menschen. Nach dem zweiten oder dritten Bier,
rieten sie den Gästen doch nach Hause zu gehen, um auch den Weg nicht zu verfehlen!
Der selbstgebackene Butterkuchen und das Brot, von Frau Doeubler, waren ein Genuss (so, die Worte
meines Vaters, Walter Bauer, geboren 1922 in Jemmeritz).

1929 wurde dann die "Gastwirtschaft August Dähre", in Neu-Jemmeritz eröffnet.
1957, zu DDR-Zeiten, wurde die Familie Dähre enteignet und vertrieben. August Dähre saß noch,
bis 1960, in politischer Gefangenschaft und konnte dann Frau und Kindern folgen. Das Gebäude diente
dann als Wohnhaus, Gemeinderaum und Einkaufsstätte (Konsum). Verkäufer waren Erich Sigmund,
Elisabeth Pasternack und Karin Neuschulz. Heute ist der Besitz wieder in Händen der Familie Dähre.
Das Haus steht leer und zum Verkauf.
Sehr oft, selbst in der Chronik, fällt der Name "Zur goldenen Kartoffel" - Das ist nicht richtig!
(bestätigt von Ewald Schmidt, geb. 1918 in Jemmeritz, Walter Bauer, Elfried & Kurt Dähre)
Der Begriff "Goldene Kartoffel" wurde von Erich Franke geprägt. Er und noch einige andere Bauern
versuchten Saatkartoffeln aus Jemmeritz berühmt zu machen. Gegenüber Speisekartoffeln brachten
diese den doppelten Gewinn - die Bauern hofften reich zu werden!

1960 wurde in Jemmeritz die LPG Typ1 (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) gegründet.
In dieser Form, der LPG, hatten die Bauern noch ihr eigens Vieh und bewirtschafteten gemeinsam
die eigenen Felder. Vorsitzender war Walter Bauer. Bis 1974 konnten sich die Bauern wehren,
von der LPG Typ3 "geschluckt" zu werden. In diesem Typ der LPG hatten die Bauern, bis auf das
Grundstück mit dem Haus, kein Eigentum mehr. Felder und Wälder gingen in "Volkseigentum" über.
Vorsitzender war Adolf Stockfisch.

Seit 1978 ist ein 20,56 Hektar grosses Areal, das 1,5 Kilometer südlich von Jemmeritz liegt,
unter Naturschutz gestellt. Das Gelände liegt 55 bis 70 Meter hoch und gehört in die Landschaftseinheit
Altmärkische Heiden, gemeint ist das Jemmeritzer Moor.
Das Moor wird von der Bäke durchflossen. Ihren Ursprung hat die Bäke
bei Schwiesau und trennt die Hellberge von den Klötzer Bergen.
In schlängelnder Form fließt die Bäke durch das Moorgebiet.
Wer schon einmal von Schwiesau aus mit dem Fahrrad in die
Klötzer Berge gefahren ist und dabei das Tal der Bäke im Auge
behalten hat, wird immer wieder von dieser Tour schwärmen.

Die jüngere Geschichte folgt!